Solidarische Landwirtschaft 2024: Neue Wege der Direktvermarktung und echte Transformation
Solidarische Landwirtschaft 2024: Neue Wege der Direktvermarktung und echte Transformation
Die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) verbindet Erzeugende und Verbrauchende in wirtschaftlichen Gemeinschaften. Mitglieder finanzieren die Landwirtschaft als Ganzes – nicht einzelne Produkte. Das schafft Planungssicherheit, stärkt regionale Versorgung und verbindet ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele. Trotz dynamischem Wachstum gilt Solawi in Deutschland noch als Nische. Forschung und Praxis zeigen jedoch: Das Modell kann ein wirksamer Hebel für eine nachhaltige Ernährungswende sein.
Was ist Solawi – und warum ist sie anders?
Solawi ist mehr als Direktvermarktung. Mitglieder zahlen im Voraus einen festen Beitrag und tragen Verantwortung und Risiko gemeinsam mit dem Betrieb. Im Gegenzug erhalten sie Ernteanteile und Einblick in Anbau und Entscheidungen. Finanziert wird der Hof als Gesamtsystem – unabhängig von Tagespreisen oder Einzelerlösen.
Die Mehrwerte auf einen Blick
- Wirtschaftlich: verlässliche Finanzierung, stabile Planung, geringere Marktvolatilität
- Ökologisch: Förderung vielfältiger Anbausysteme, bodenschonende Praktiken, regionale Kreisläufe
- Sozial: direkte Beziehung zwischen Hof und Mitgliedern, Teilhabe und Transparenz
Vom Nischenphänomen zur regionalen Lösung
Deutschlandweit wächst das Interesse an gemeinschaftsgetragenen Versorgungsmodellen. Dennoch bleibt Solawi 2023 mit rund 600 bestehenden und in Gründung befindlichen Betrieben ein Nischensegment. Die starke Nachfrage in urbanen und periurbanen Räumen und die positiven Effekte in Praxisbetrieben zeigen: Das Potenzial für resilientere, gemeinwohlorientierte Ernährungssysteme ist hoch – wenn Hürden systematisch abgebaut werden.
Forschung im Fokus: nascent 3.0 „SolaRegio“ (2023–2026)
Das Projekt nascent 3.0 SolaRegio untersucht, wie klassische Betriebe erfolgreich auf Solawi umstellen können. Ziel ist es, Barrieren zu identifizieren und mit sogenannten Systemdienstleistern – regionalen Netzwerken relevanter Akteure – gezielt zu senken. Erste Ergebnisse liegen vor.
Was leistet SolaRegio?
- Hürden sichtbar machen: Recht, Organisation, Finanzierung, Kommunikation
- Lösungen testen: regionale Kooperationen und Strukturen als Brücke in die Praxis
- Umstellung erleichtern: Know-how und Netzwerke für tragfähige Gründungs- und Umstellungsprozesse
Praxis- und Politikdialog: „Solawi – Neue Wege in der Direktvermarktung“
Eine Diskussionsveranstaltung (Februar 2024) brachte Praxis, Forschung und Politik an einen Tisch. Mit dabei:
- Katrin Arnemann (Moderation, LWK Niedersachsen)
- Miriam Staudte (Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)
- Mathias von Mirbach (Solawi Kattendorfer Hof)
- Frank Kohlenberg (Landvolk Niedersachsen Landesbauernverband)
- Alina Reinartz (Vorständin, Netzwerk Solidarische Landwirtschaft)
Die Botschaft: Solawi kann Direktvermarktung neu denken – mit fairen Rahmenbedingungen, regionalen Partnerschaften und gemeinschaftsgetragenen Geschäftsmodellen.
Was bedeutet das konkret?
Für Verbraucherinnen und Verbraucher
- Mitglied werden: Ernteanteil finanzieren, Hof unterstützen, Ernährung mitgestalten
- Region stärken: kurze Wege, Transparenz, gemeinsames Tragen von Chancen und Risiken
- Mehr als Einkauf: Teilhabe an einer Wirtschaftsgemeinschaft statt bloßer Warenbezug
Für landwirtschaftliche Betriebe
- Chancen prüfen: Solawi als Weg zu Planungssicherheit und ökologischer Weiterentwicklung
- Netzwerke nutzen: Kooperation mit regionalen Systemdienstleistern für Beratung und Umsetzung
- Schrittweise starten: Bedarf erheben, Tragfähigkeitsplanung erstellen, mit Pilotanteilen erproben
Fazit: Gemeinschaft als Schlüssel – jetzt Strukturen skalieren
Solawi bündelt ökonomische Stabilität, ökologische Wirkung und soziale Nähe. Forschung und Dialog zeigen, wie das Modell Resilienz in regionalen Ernährungssystemen stärkt. Nächster Schritt: Hürden konsequent abbauen, Systemdienstleister vernetzen und erfolgreiche Praxis skalieren. So wird aus der „Nische“ ein tragender Pfeiler nachhaltiger Direktvermarktung.
Quellenangaben: YouTube · Netzwerk Solidarische Landwirtschaft e.V., YouTube · ReLaVisio – Regenerative Landwirtschaft, oekolandbau.de, HAW Hamburg, Österreichische Gesellschaft für Agrarökonomie, Umweltbundesamt, oekolandbau.de, zalf.de
